Experteninterview über Schmuck- und Edelsteine

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Saphir-Armband in Gelbgold14K mit 3 blauen und 3 gelben Saphiren von jeweils ca. 6 ct, unbehandelt, aus Ceylon (Los aus der nächsten Rapp Auktion).

Marianne Rapp Ohmann, CEO vom Auktionshaus Rapp, im Gespräch mit Gemmologe und Mineraloge, Dr. Fabian Schmitz und Schmuckexpertin, Gabriela Blöchlinger

Schon zu Zeiten der Griechen und Ägypter galt der Diamant als König unter den Edelsteinen. Sein Name leitet sich vom griechischen Wort «adamas» ab – übersetzt «der Unbezwingbare». Dies ist auf seine immense Härte und seine lange Haltbarkeit zurückzuführen. Diamanten sind nicht nur extrem harte Mineralien, sondern gleichzeitig auch besonders wertvolle Edelsteine. Sie werden in Schmuckstücken verarbeitet, sind aber auch als lose Steine begehrt und werden als Wertanlage gehandelt. Gemmologe, Dr. Fabian Schmitz, und Schmuckexpertin, Gabriela Blöchlinger, beantworten Fragen rund um den Schmuck- und Edelsteinmarkt.

Herr Dr. Schmitz, Sie sind Mineraloge und Gemmologe und seit gut 2 Jahren für das Auktionshaus Rapp als Experte tätig. Wie muss man sich Ihren Berufsalltag vorstellen? Wie wird man Mineraloge und Gemmologe?
Die Mineralogie ist ein vielseitiger Studiengang. Aktuell kann sie als Spezialisierung im Bereich der Erdwissenschaften oder der Materialwissenschaften studiert werden. Die Erfahrung kommt über mehrere Jahre, doch das Interesse wurde nicht nur durch die Steine selbst geweckt, sondern die engagierten Menschen, die dieses Fachgebiet mit Leben füllen. Ein Gemmologe hat meist viel Erfahrung durch Untersuchungen, Handel und Reisen zu Minen und Lagerstätten gesammelt. Es gibt gemmologische Schulen, die dazu Grundlagen vermitteln.

Herr Dr. Schmitz, welche Edelsteine sind aktuell besonders gefragt?
Die "big three", Rubin, Saphir, Smaragd in allen Grössen bleiben zeitlos beliebt. Aquamarine in intensivem Blau sowie Turmaline in reflexoptimierendem Schliff sind in Grössen ab 10 Karat begehrt. Generell kann man ein verstärktes Interesse an allen unbehandelten Farbsteinen sehen.

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Ceylon-Saphir-Ring, Weissgold 18K. Saphir (unbehandelt), ca. 18,7 ct. Entouriert von 7 Diamanten, 4 Diamanttropfen, 20 Brillanten. Ringgrösse 52, 22,1 g. Los aus der nächsten Rapp Auktion.

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Kolumbianischer Smaragd-Ring, Platin 950, Smaragd minor/insignificant oil, beste Farb und Transparenz von ca. 1,5 ct., 6 Altschliff-Diamanten ca. 0,1 ct. Ringgrösse 54, 2,9 g. Los aus der nächsten Rapp Auktion.


Herr Dr. Schmitz, warum sind gewisse Edelsteine so wertvoll?
Weil sie geologisch bedeutend seltener sind. Einige Edelsteine gibt es häufiger, andere sind leichter abzubauen, andere wieder schwerer zu bearbeiten. Zuletzt entscheiden die "4 C" (Farbe, Reinheit, Schliff, Gewicht) über die relative Seltenheit des Edelsteines.

Frau Blöchlinger, welche Schmuckstücke verkaufen Sie über Ihre Auktionen?
Die Schmuckstücke müssen gut erhalten, gepflegt und in einwandfreiem Zustand sein. Stücke von bekannten Juwelieren oder Goldschmieden oder namhaften Manufakturen sind besonders gefragt. Und wie schon erläutert, erleben Farbsteine aktuell einen schönen Aufschwung.

Frau Blöchlinger, gibt es im Moment Trends im Schmuckmarkt?
Besonders gefragt sind Schmuckstücke von bekannten Labels wie Cartier, Bulgari, Tiffany etc. sowie auch antike Schmuckstücke aus der Jugendstil- oder Art-Déco-Zeit, die gut erhalten sind. Aus diesen Zeitperioden existieren teils traumhafte Schmuckstücke, die besonders filigran und kunstvoll verarbeitet wurden und heute wieder im Fokus stehen.

Herr Dr. Schmitz, wie beurteilen Sie die Qualität der Steine? Wie kommt ein Schätzwert für einen Edelstein zu Stande?
Die 4 wichtigsten Kriterien – Farbe, Reinheit, Schliff, Gewicht - werden eher altmodisch untersucht. Die Farbe muss intensiv und in den meisten Fällen homogen verteilt sein, dies schaue ich mir in Bewegung unter verschiedenen Lichtquellen mit dem blossen Auge an. Ein Vergleich mit anderen marktgängigen Steinen und deren Farben hilft bei der Wertfindung. Die Reinheit wird durch möglichst wenige störende Einschlüsse für den betreffenden Edelsteintyp durch eine Lupe und zum Teil auch ein Mikroskop quantifiziert. Der Schliff muss zwar keinem vorgegebenen Muster folgen, doch ist die Symmetrie und die Politur der Facetten entscheidend für eine gute Reflexion des Lichtes sowie eine gute Farbwidergabe des Steines. Mit Messgeräten kann ich auch Längen- und Breitenverhältnisse von facettierten Steinen berechnen. Das Gewicht wird mit einer Karat-Waage gemessen oder aber in gefasstem Zustand durch Formeln errechnet. Dazu muss ich den gefassten Stein ausgemessen haben. Routinemässig muss ich überprüfen, ob der Stein einer Behandlung unterlag. Aus all den genannten Kriterien ergibt sich ein Grad der "Seltenheit" des Steines. Der nächste, gleichsam wichtige Schritt ist die Marktbeobachtung und preisliche Einordnung in den aktuellen Markt - sprich, was kostet ein vergleichbarer Stein aktuell im weitgespannten Marktumfeld? Daraus leitet sich ein Schätzwert für die Auktion ab.

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Santa-Maria-Aquamarin-Diamant-Ring von ca. 13 ct. in 3/4 Zargenfassung entouriert von feinsten Brillanten (Los aus der nächsten Rapp Auktion).

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Burma-Rubin-Ring unerhitzt, «vivid red» von ca. 1.2 ct, entouriert von 12 Diamanten (Los aus der nächsten Rapp Auktion).

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Smaragd-Brillant-Ohrstecker Gelbgold 18K mit 2 kolumbianischen Smaragden von zusammen ca. 3 ct  «Muzu-Green» minor oil (Los aus der nächsten Rapp Auktion).

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Antiker Burma-Rubin-Ring, «pigeon blood» Rubin unbehandelt von ca. 3.5 ct. (Los aus der nächsten Rapp Auktion).

Frau Blöchlinger, wie viele Schmuckstücke bieten Sie an der kommenden Rapp-Auktion an? Was sind die Highlights?
An der kommenden Auktion werden wir gegen 800 Auktionslose mit Schmuck anbieten. Das Angebot ist bewusst vielfältig. Sicherlich wird das Augenmerk auf Rubinen, Saphiren, Smaragden und Diamanten liegen, welche gross und unbehandelt sind. Die Qualität der Steine liegt dabei im Fokus.

Herr Dr. Schmitz, warum sind signierte Schmuckstücke z.B. von Tiffany, Boucheron, Harry Winston etc. so beliebt?
Bekannte Marken verstehen es, klassische Ideen neu zu interpretieren und dem Geschmack nicht nur zu folgen, sondern ihn zu definieren. Dies schaffen traditionelle Marken besonders durch ihre Kundenerfahrung, Gespräche und Zurückhaltung im Urteil, was Hypes angeht.

Frau Blöchlinger, verkaufen Sie nur ganz teure Schmuckstücke? Ab welcher Grössenordnung kann ich Schmuck über Ihre Auktionen verkaufen?
Wir werden im Bereich Schmuck zwei Auktionen durchführen. Die preislich tieferen Stücke ab einem Startwert von CHF 500.- werden über die Online Only Auktion versteigert. Hier kann man sich ausschliesslich online übers Internet an der Versteigerung beteiligen. Die hochwertigeren Schmuckstücke ab einem Startwert von ca. CHF 1‘200.- bis einige zehntausend Franken werden über die Saalauktion versteigert. Hier haben die Kunden die Möglichkeit, entweder im Auktionssaal, über das Internet oder am Telefon mitzubieten.

Frau Blöchlinger, wann lohnt es sich, Schmuck über ein Auktionshaus wie Rapp zu verkaufen?
Wir empfehlen einen Auktionsverkauf immer dann, wenn wir klar einen Mehrwert sehen. Schmuck ist persönlich und die Geschmäcker sind sehr verschieden. Viele unserer internationalen Kunden lieben Schmuck, der von Schweizer Juwelieren geschaffen wurde. Das wirkt sich positiv auf die Auktionspreise aus. Wir erleben auch immer wieder schöne Überraschungen von Auktionspreisen, die weit über unseren Schätzungen liegen. In der Regel sind dann mehrere Interessenten da, die ein Stück unbedingt erwerben möchten und den Preis hochtreiben. Genau das macht den Reiz einer Auktion schlussendlich auch aus.

Frau Blöchlinger, Herr Dr. Schmitz, ich danke Ihnen für dieses Gespräch und freue mich auf die kommende Schmuckversteigerung im Auktionshaus Rapp, welche in der grossen Auktionswoche vom 2. bis 7. Mai 2022 stattfindet.

Möchten Sie sich an der kommenden Rapp-Auktion mit Schmuck, Uhren, Briefmarken, Münzen, Porzellan oder Designertaschen beteiligen? Dann reservieren Sie sich am besten Ihren Wunschtermin an einem unserer nächsten Expertentage. Bei grösseren Objekten kommen wir auch direkt zu Ihnen nach Hause.
Der Einlieferungsschluss ist auf den 5. März 2022 festgelegt.

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